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Am 16. Oktober 2017 wurde Prof. Dr. Eberhard Ehlers an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität emeritiert. Im Jahr 1963 hatte er am Gymnasium sein Abitur abgelegt.

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Hommage an einen Lehrer
von
Professor Dr. Eberhard Ehlers
Wer als Autofahrer auf der B47 in Richtung Amorbach fährt, meine alte Grundschule, eine Einraumschule, im Ortsteil Stockheim passiert, wird links ein großes Neubaugebiet finden. An der Kreuzung, an der sich Stockheimer Ring und Stadtring treffen, kann man linker Hand in die Dr.-Albach-Straße einbiegen. Ein Name, bei dem die Wenigsten einschätzen können, warum dieser Mann mit der Namensgebung für eine Straße geehrt wurde.
Als Abiturient des Gymnasiums in Michelstadt des Jahres 1963 kannte ich Dr. Walter Albach persönlich und freue mich riesig, dass nach ihm eine Straße benannt wurde. Dr. Albach war in der Oberstufe mein Klassenlehrer und von der Sexta (heute 5. Klasse) an mein Biologielehrer und ab der Quarta (heute 7. Klasse) auch mein Chemielehrer.

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Fabian Reichl

                   Fabian Reichl, Abitur 2010

Nachdem ich bereits in den Genuss kommen konnte, zwei unserer Ehemaligen-Berichte zu lesen, habe ich mich entschlossen, meinen eigentlich schon fertigen Bericht neu zu formulieren. Das geschieht über die Tastatur eines Internetcafés in Banyuwangi, Indonesien. In nächster Nähe befindet sich der Berg (gunung auf Indonesisch) Ijen, welcher für sein „blaues Feuer“ bekannt ist: selbstentzündete Schwefelströme, welche in den Kratersee des Vulkans fließen. Nicht minder beeindruckend ist die Arbeit der Träger, welche über 80kg Schwefel schultern und bis zu einer Sammelstelle am Kraterrand transportieren – ein sehr einprägsames Szenario.

Wie komme ich hierher? Nach meinem Abitur 2010 war ich mir zunächst nicht ganz im Klaren über meine künftigen Ziele, aber froh über die vielen Möglichkeiten. Wir können uns in Deutschland glücklich schätzen, mit dem Abitur in der Tasche erst einmal die Qual der Wahl zu haben. Studium oder lieber Ausbildung? Trotz hoher Lebenshaltungskosten ist ein Studium in Deutschland finanziell erschwinglich, vergleicht man unsere Situation mit anderen Ländern, und der Ausbildungsmarkt freut sich über jeden Schulabgänger, der sich gegen die akademische Laufbahn entscheidet. Nach einem FSJ im Rettungsdienst des DRK Odenwaldkreis, welches viele wertvolle Erfahrungen mit sich brachte und ein bisschen Zeit zum Überlegen entschloss ich mich gänzlich im Gegensatz zu meinen schulischen Vorlieben für ein Ingenieurstudium. Während ich meine Oberstufe mit den Leistungskursen Musik und Englisch genoss und erst für die Abiturprüfung ernsthaft für Mathe zu lernen anfing, reizten mich am Ingenieurwesen die Tätigkeitsfelder, ein (für mich) herausforderndes Studium und zum damaligen Zeitpunkt meiner Auffassung nach auch das angesehene Berufsbild. Ich glaube, dass ich meine musischen und sprachlichen Neigungen weiterhin in Hobbys, ergänzend zum Berufsleben, ausleben kann. Die Wahl fiel auf die Technische Universität und das Studium der Umweltingenieurwissenschaften. Wichtig war mir die Beschäftigung mit weltweit präsenten Problemen, was mich relativ bald dazu brachte (das heißt, nachdem ich das trockene Grundstudium überstanden hatte), mich auf den Wassersektor zu spezialisieren. Meine Schwerpunkte liegen im Bereich der Hydrologie, Wasserbau und Renaturierung sowie Wasserversorgung und -entsorgung. Zurzeit befinde ich mich in meinem Masterstudium, welches ich in etwa einem Jahr abschließen werde.

Die Studienzeit ermöglicht es, wie schon an anderer Stelle erwähnt wurde, sich auszuprobieren, neue Seiten an sich zu entdecken, sich in anderen Bereichen weiterzubilden – sofern man diese Möglichkeit nutzt. Von 2013 bis 2014 absolvierte ich ein Auslandsjahr in Kolumbien, welches ich als eines der prägendsten Jahre meines Lebens betrachte. Die Bereicherung ist schwer in Worte zu fassen, umfasst zum Beispiel neue Freunde und eine zweite Familie, das lateinamerikanische Lebensgefühl und die Kultur  sowie die sprachliche Entwicklung. Es folgten ein Praktikum in Nicaragua und die darauf aufbauende Bachelorthesis, sowie nun ein vermutlich letztes Auslandssemester zu Studienzeiten in Indonesien, um mich auch mit Teilen der asiatischen Kultur auseinanderzusetzen. Diese Aufenthalte und Erfahrungen brachten mir Freundschaften und Kontakte aus vielen Teilen der Welt ein und hielten in mir ständig das Reisefieber und die Lust, mehr zu entdecken und Erfahrungen auszutauschen, wach. Was stelle ich mir für die Zukunft vor? Zunächst die Arbeit im Consultingsektor zu Entwicklungsprojekten in der Wasserwirtschaft, später dann vielleicht auf längere Zeit in Deutschland, vielleicht auch in Südamerika – je nachdem, wie die Dinge verlaufen.

An dieser Stelle halte ich es für angemessen, mich bei den Lehrern des Gymnasiums Michelstadt zu bedanken, insbesondere bei Herrn Wolter für die Zeit als unser Klassenlehrer und für unseren Schüleraustausch mit Olevano Romano, der in mir die Freude an anderen Ländern und Gesellschaften geweckt hat; bei Herrn Bauer für seinen abwechslungsreichen und warmherzigen Unterricht, der mir u.A. über unser Theaterprojekt sehr viel mehr mit auf den Weg gab als Grammatik und Vokabeln, bei Herrn Schüssler für seine Begeisterung am Erzählen und der historischen Interpretation, bei Herrn Spekker für seine erfrischenden Perspektivwechsel im Powi-Unterricht und seinen unvergleichlichen Witz sowie noch bei vielen anderen. Ihr Unterricht hat mich besonders geprägt und wird mir auf lange Jahre in bester Erinnerung bleiben.

Es wird noch in vielen Berichten zur Sprache kommen, doch verliert es dadurch nicht an Gewicht: „Sapere aude“ ist allen voran ein Motto für das Leben und gibt uns als wichtigste Botschaft unserer Schulzeit mit auf den Weg: Hinterfrage, kritisiere, probiere dich aus, vertraue auf deinen eigenen Verstand! Das Denken nimmt einem Niemand ab. In Zeiten der „fake news“, Informationskriege, technischen Entwicklungen wie der künstlichen Intelligenz, ethischen Fragestellungen der biologischen/medizinischen Forschung etc. halte ich dieses Mantra für aktueller den je. Ich bedanke mich herzlichst für meine Schulzeit am Gymnasium Michelstadt und wünsche allen Lehrern und Schülern Spaß am Lehren und Lernen, für die Noten und für das Leben. 

 Anabell Wagner

Anabell Wagner
Wie ich aus „Sapere Aude“ genau das Gegenteilige machte

Zum 200-jährigen Jubiläum des Gymnasium Michelstadt wird ein ganz wesentlicher Satz wieder und wieder fallen, vielleicht hat ja jemand die Geduld zu zählen.

Unser Schulmotto „Sapere Aude“ ganz nach Kant,
„habe den Mut dich deines Verstandes zu bedienen.“

Am Gymnasium Michelstadt sollte ich darauf vorbereitet werden, zu studieren, einen adäquaten Job zu finden, der klassischerweise dazu führen sollte meine Rente zu sichern. Ich bekam nach dem Studium einen fantastischen ersten Job, habe diesen gekündigt, meine Wohnung aufgegeben und so ziemlich alles verkauft oder verschenkt, was ich besaß, um mit einem 40 Liter Rucksack auf unbestimmte Zeit reisen zu gehen.

Was das Gymnasium Michelstadt damit zu tun hat? Neun Jahre Schule prägen, erziehen und lehren ungemein, wahrscheinlich mehr, als uns bewusst ist. Wenn man uns eines am Gymi gelassen hat, dann war hinterfragen zu dürfen.

 Ja, auch wenn nun große Aufschreie kommen von Schulsystem-Kritikern, stehe ich hinter dieser Aussage. Wäre ich auf eine andere Schule gegangen, hätte ich sicherlich andere Entscheidungen getroffen. Vor allem erinnere ich mich heute noch an so manchen Lehrer, der die eine oder andere Aussage brachte, über die ich heute noch nachdenke.

„Sapere Aude“ bedeutet nicht nur den Mut zu haben, sich seines Verstandes zu bedienen, ich möchte einen Schritt weitergehen, man sollte auch den Mut haben seinen Verstand zu hinterfragen. Unser Verstand mag uns sagen, man könne nicht einfach aus seinem vorherbestimmten Alltag ausbrechen. Es gibt immer eine Entschuldigung, wieso „jetzt“ nicht der richtige Moment für etwas ist. Ich sage ganz bewusst, habt den Mut euren Verstand an die Wand zu fahren und das zu tun, was ihr wirklich im Leben tun möchtet… nach dem erfolgreichen Abschluss des Abiturs natürlich.

Hoi An (Vietnam), 27. Oktober 2017

 

Elena und Rebecca Uni

Im Jahr 2014 haben die Zwillinge Elena und Rebecca Reinhard am Gymnasium Michelstadt ihr Abitur gemacht. Mit Leistungskursen in den Fächern Deutsch und Französisch war für die beiden Beerfelderinnen bereits lange klar, dass es beruflich in die Richtung „Irgendwas mit Medien“ gehen sollte. Die Entscheidung fiel nicht schwer, denn eine der renommiertesten Städte der Medienlandschaft liegt nicht einmal 100 Kilometer von Michelstadt entfernt: Nach Mainz sollte es gehen! Mit Publizistik im Haupt- und Politikwissenschaft im Beifach studieren die Schwestern nun im 7. Semester und schreiben derzeit an ihrer – wie sollte es anders sein – gemeinsamen Bachelorarbeit, in der sie die Darstellung Martin Schulz‘ in der Printberichterstattung untersuchen. Doch auch neben dem Studium nutzen die Zwillinge die vielen Möglichkeiten der Medienstadt Mainz – sei es die Arbeit im Marketing bei einem Start-up, im freien Journalismus oder als Kolumnistinnen bei der Studentenzeitung „Publizissimus“.

Elena und Rebecca haben u.a. den nachfolgend abgedruckten Bericht über Regelstudienzeiten für campus-mainz.net geschrieben, der in ähnlicher Form auch im Publizissimus, der studentischen Institutszeitung der Publizisten im Sommersemester 2017 erschien.

 

Regelstudien- was?

Erscheinungsdatum: 19.09.2017

Autoren:  Elena und Rebecca Reinhard

„Nächte durchschreiben, um bloß in Regelstudienzeit abzuschließen? Das muss nicht sein.

Spätestens seit der Bologna-Reform hat für viele Studierende (und deren Eltern) das Verlängern der Regelstudienzeit gänzlich an Salonfähigkeit verloren. Elena und Rebecca, Kolumnistinnen beim Publizissimus, erklären, wieso es längst überfällig ist, sich einfach mal mehr Zeit zu lassen.

Flashback in unser Ersti-Semester vor drei Jahren: Nick Jackob hält vor 150 motivierten Erstis die Eröffnungsvorlesung. Und hält ein Plädoyer – nicht etwa für ein diszipliniertes Studium – sondern warnt eindringlich vor dem Einhalten der Regelstudienzeit: "Genießt das Studium, macht ein Auslandssemester. Es gibt ein paar Studenten, die hier in sechs Semestern durchrennen, aber da habt ihr doch nichts vom Leben." Stattdessen, so rät er uns, sollten wir lieber mal ein Bier trinken gehen. Oder zwölf. Verblüfft schauen wir uns um. Schon jetzt beginnen wir, das Studium zu mögen.

Drei Jahre später sitzen wir mit unserem Vater am Frühstückstisch. Brötchen-aufschneidend fragt er scheinbar ganz nebenbei: "Seid ihr eigentlich im Plan mit eurem Studium?" Nachmittags mit Mama beim Kaffee dann: "Sagt mal, ihr seid doch jetzt im 6. Semester. Schreibt man da nicht eigentlich seine Bachelorarbeit?" Mh. Wir offenbar nicht. 

G8, Bologna – die Turbo-Ausbildung und ihre Folgen

Aber so what? Denn seien wir ehrlich: Was hat Bologna uns denn gebracht? Hauptsächlich sechs verschulte Semester mit dem Ziel, früher auf dem Arbeitsmarkt präsent zu sein. Mit 23 Jahren wohlgemerkt. Obendrein geht die Turbo-Ausbildung mit unangenehmen Nebenwirkungen einher: permanenter Prüfungsstress, intensive Lernphasen auch während des Semesters (ok, wir geben es zu – Publis sind davon nicht in erster Linie betroffen…) und leider auch: viel zu wenig Zeit, sich wirklich intensiv mit den Inhalten des Studiums zu befassen.

Oft gibt es leider keine Alternative zum von Dozenten allseits gefürchteten "Bulimie-Lernen". Deshalb scheint es nur verständlich, dass es im Seminar oft nicht zu lebhaften Diskussionen kommt. Viel zu groß ist die Angst, vor dem Dozenten schlecht da zustehen, wenn die eigene, vermeintlich "falsche" Meinung vorgetragen wird – denn die nächste Hausarbeit sitzt uns Studis immer im Nacken.

Das kennen wir ja bereits aus der Schule: Dank G8 sind wir es längst gewöhnt, durch regelrechte Bildungsmaschinen geschleust zu werden. Und das soll im Studium genauso weitergehen? Wir sagen: Nein! Denn Studieren bedeutet auch, selbst Entscheidungen zu treffen und es sich auf eigene Verantwortung einzuteilen. Modulpläne sind durchaus modifizierbar und dienen als Orientierungshilfe, nicht als Vorschrift. Und diese Freiheit ist ein Luxus, den wir uns im Studium auf keinen Fall nehmen lassen sollten.

Hinterfragen, diskutieren, sich eine Meinung bilden – auch das gehört zum Studium

Denn Fakt ist: Es sollte kein "richtig" und kein "falsch" geben. Uni ist auch – sogar in erster Linie – dafür da, persönlich zu reifen und dazu gehört auch die Herausbildung einer eigenen Meinung. "Sapere aude"("Wage es, weise zu sein") war schon zu Zeiten Kants das Mantra der Gelehrten. Schließlich sind wir jetzt im genau richtigen Alter, uns intensiv mit Ideen und Theorien zu beschäftigen, um letztlich die Fähigkeit zu haben, Dinge zu hinterfragen. Und bei andauernden Referaten, Prüfungen, Abgaben und Bachelorarbeit bleibt dafür in sechs Semestern leider nur wenig Zeit.

Der Sinn von Klausuren sollte also nicht nur der Schein für Modul X oder die möglichst gute Note, sondern – auch wenn das abgedroschen klingt – der Gewinn von Wissen und Bildung sein. Und das sollte möglichst länger anhalten als bis zum nächsten Semester. Aber Achtung: Natürlich sollten wir diesen Gedanken nicht maximal strapazieren: Im zwölften Semester noch zu studieren, ist gewiss nicht cool. Uni ist nicht dazu da, jahrelang auf der faulen Haut zu sitzen.

Die Uni und ihre unendlichen Möglichkeiten zur Weiterbildung

Uns geht es vielmehr darum, sich einfach mal nicht stressen zu lassen. Besser: Das vielfältige Angebot der Uni schamlos ausnutzen. Egal ob Photoshop am ZDV, Italienisch am ISSK oder nicht zuletzt die Mitarbeit beim Publizissimus – die Möglichkeiten sind ebenso interessant wie unerschöpflich. Denn ganz ehrlich: Wir werden im Berufsleben wohl nie mehr die Möglichkeit haben, kostenlos in den Genuss verschiedenster Angebote zu kommen. Und die Zeit dazu werden wir sowieso nicht haben. Diese Soft Skills, wie man auf Unternehmerdeutsch sagt, sehen im Lebenslauf allemal besser aus als ein Bachelorstudium, das in drei Jahren straight durchgezogen wurde.

Übrigens finden wir, dass das Studium trotz allem viel komfortabler ist als 40 Stunden pro Woche vor einem Rechner zu sitzen, denn arbeiten kann man noch lange genug. In diesem Sinne – wir sehen uns im Photoshop-Kurs!“

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Bei den hier veröffenlichten Beiträgen handelt es sich um Texte ehemaliger Schülerinnen und Schüler. Für den Inhalt der Beiträge sind allein die jeweiligen Autoren verantwortlich. Es handelt sich nicht um offizielle Verlautbarungen unserer Schule.

Martin Wolter, verantwortlich für die Homepage des Gymnasium Michelstadt

Abiturjahrgang 1957

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